Häufig gestellte Fragen

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Wer ist sehbehindert?

Gemäss einer geläufigen Definition ist sehbehindert, wer normalen Zeitungsdruck auch mit einer Lesebrille oder Kontaktlinsen nicht mehr lesen kann.
Ausschlaggebend für Leistungen der IV sind Arztzeugnisse und Berichte von Low Vision-Spezialisten, welche über Diagnose, Visus, Gesichtsfeldeinschränkungen, Kontrastsehen, Blendempfindlichkeit usw. Auskunft geben. Im Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit der IV sind die Werte für den zentralen Visus und die Gesichtsfeldeinschränkung für eine hochgradige Sehschwäche definiert. Für die Weltgesundheitsorganisation WHO gilt als blind, wer 5 Prozent oder weniger sieht (Visus kleiner = 0,05).

Wer ist taubblind?

Eine Person wir als durch Taubblindheit betroffen bezeichnet, wenn der Hörsinn und der Sehsinn gleichzeitig hochgradig geschädigt sind. Das Sehen ist dann, trotz aller chirurgischen, medikamentösen, optischen Korrekturen so stark eingeschränkt, dass die alltäglichen Handlungen permanent beeinträchtigt sind (z.B. Zeitung lesen, einen Weg zurücklegen, kochen usw.). Das Hören ist seinerseits derart beeinträchtigt, dass ein Gespräch trotz gut eingestellten Hörhilfen in einem normalen Umfeld stark erschwert ist (z.B. Restaurant, Bahnhof). Die Bezeichnung „Taubblindheit“ wird als Oberbegriff verwendet, sei es für die Situation mit einem vollständigen Ausfall des Sehens und des Hörens, wie auch für Situationen der „Hörsehbehinderung“, bei denen ein Seh- und/oder Hörrest vorliegt und genutzt werden kann. Die Situation der „Hörsehbehinderung“ tritt in der Realität weitaus häufiger auf.

Es gibt somit ganz verschiedene Formen von Taubblindheit: blind und schwerhörig, sehbehindert und gehörlos, sehbehindert und schwerhörig, blind und gehörlos. In ungünstigen Situationen (z.B. Schlechtes Licht, bei Strassenlärm usw.) kann ein noch vorhandener Seh- oder Hörrest meistens nicht mehr eingesetzt werden, womit hörsehbehinderte Menschen dann funktional „taub und blind“ sind. Weiter ist für Folgen der Behinderung sehr wichtig, wann im Leben das Sehen und das Hören ausfallen (bei Geburt, in der Kindheit, im Erwachsenenalter oder im hohen Alter). Die Chancen der Betroffenen im Alltag, in der Schulung, am Arbeitsplatz usw. hängen direkt davon ab.

Wie viele blinde und sehbehinderte Menschen gibt es in der Schweiz?

Es gibt keine Statistik über die Häufigkeit bestimmter Behinderungen.
Der Schweiz. Zentralverein für das Blindenwesen  rechnet mit etwa 80’000 - 100’000 sehbehinderten Personen (Annahme eines prozentualen Anteils an der Gesamtbevölkerung).

Die Zahl der von den Sehbehindertenorganisationen betreuten Personen dürfte zwischen 10’000 und 20’000 liegen. Davon sind etwa 10% blind.

Aus einer Studie der Universität St. Gallen ergibt sich eine Tendenz der visuell eingeschränkten Personen, und zwar sind es weniger bei den unter 44-jährigen und mehr bei der älteren Bevölkerung. Gemäss internen Erhebungen im Sehbehindertenwesen sind 8 - 10% aller Sehbehinderten über 74 Jahre alt.

Wie viele taubblinde Menschen gibt es in der Schweiz?

Die Studie des SZB zur «Lebenslage hörsehbehinderter Menschen in der Schweiz» hat ergeben, dass etwa 200 der betroffenen Menschen von Geburt an erheblich hörsehbehindert oder taubblind sind. Sie benötigen sehr intensive Betreuung und Förderung.

Die meisten der Betroffenen sahen sich jedoch erst im Laufe des Erwachsenenalters mit einer Hörsehbehinderung konfrontiert. 300 bis 400 von ihnen wurden im Laufe der frühen oder mittleren Erwachsenenjahre zusätzlich zur bestehenden Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit sehbehindert oder blind. Grund dafür ist das Usher-Syndrom, eine Erbkrankheit.

Die mit Abstand grösste Gruppe umfasst etwa 9 000 Menschen: Sie wurden erst im späten Erwachsenenalter hörsehbehindert, d.h. nachdem sie also sehend und hörend gelebt haben oder bislang nur in einem Sinnesbereich eingeschränkt waren.

Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass Sinnesbehinderungen im hohen Alter weit verbreitet sind, d.h. mehr als 200 000 Menschen wenig sehen und zugleich schwerhörig sind. Leider wird dies oft nicht erkannt und häufig mit Zeichen von Alterung oder Demenz verwechselt. Vielfach bleibt eine Hörsehbehinderung auch bei geistig behinderten Menschen unerkannt.

Entsprechend geht der SZB für die Schweiz von mindestens 10 000 Personen aus, die hörsehbehindert sind. Und alle, die nicht als solche erkannt werden (vor allem im höheren Alter) erhalten in ihrer schwierigen Situation keine Unterstützung!

Was heisst taubblind genau?

Taubblinde Menschen haben im alltäglichen Leben schwerwiegende Folgen der doppelten Sinnesbehinderung zu erleiden und zu meistern. Zusätzlich sind sie aber damit konfrontiert, dass sie die durch die Blindheit fehlenden Informationen nicht über das Gehör kompensieren können (Blinde Menschen behelfen sich in vielen Situationen mit einem genaueren Hinhören). Und die Informationen die gehörlose Menschen über das Sehen erhalten sind ihnen natürlich auch nicht zugänglich. So können sie kaum oder nicht von den Lippen ablesen und auch die übliche Gebärdensprache der Gehörlosen ist nicht lesbar.

Aus dieser Schwierigkeit, einen Sinn durch einen anderen zu kompensieren, entstehen drei für die Taubblindheit typische Zusatzprobleme:
Die Orientierungsschwierigkeit ist sehr ausgeprägt
Die zwischenmenschliche Kommunikation stark eingeschränkt
Der Zugang zu Informationen (Wissen was im näheren und weiteren Umfeld passiert, Bildung, Ereignisse usw.) ist stark erschwert.

Diese drei Schwierigkeiten sind charakteristisch für die Taubblindheit, der SZB unterstützt daher auch die Sicht, dass diese Behinderungsform nicht als Summe von Blindheit und Gehörlosigkeit verstanden werden kann, sondern als eine eigenständige Behinderungsform mit spezifischen Merkmalen.

Welches sind die häufigsten Ursachen einer Sehbehinderung?

Am häufigsten führt der natürliche Alterungsprozess zu einer Sehbehinderung. Bei der sogenannten altersbedingten Makuladegeneration nimmt die Sehkraft im Zentrum des Blickfeldes ab, wodurch das Lesen erschwert oder verunmöglicht wird; jedoch muss keine völlige Erblindung befürchtet werden.

Weitere Ursachen für Sehbehinderungen sind Unfälle oder Erkrankungen wie Diabetes, Grauer und Grüner Star, Netzhauterkrankungen und vorgeburtliche Schädigungen.

Weshalb gibt es so viele verschiedene Blindenorganisationen?

Die Zahl mag gross erscheinen, doch die meisten Organisationen erbringen je eine spezifische Dienstleistung und die Leistungsangebote sind untereinander abgesprochen. So gibt es Beratungsstellen, Heime, Schulen, Eingliederungsstätten, Werkstätten, Ateliers, Freizeit- und Sportgruppen, Selbsthilfegruppen, Ferienzentren, spezielle Bibliotheken (für Hörbücher, Grosschriftbücher und Blindenschriften), Hilfsmittelverkaufsstellen, Führhundeschulen u.a.m. Es gibt Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene; für taubblinde und mehrfachbehinderte Personen, es gibt stationäre und ambulante Dienstleistungen.

Getragen werden all diese Werke von privaten Vereinen oder Stiftungen. Finanziert werden sie durch Beiträge der Sozialversicherungen und der öffentlichen Hand, durch Spenden und Legate und durch Beiträge der Leistungsempfänger/-innen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband SBV, dem Schweizerischen Blindenbund SBb und dem Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen SZB?

Der Schweiz. Zentralverein für das Blindenwesen ist die Dachorganisation im Sehbehindertenwesen. Er ist unter anderem für den zentralen Einkauf sowie Vertrieb von blindenspezifischen Hilfsmitteln besorgt, betreut und berät taubblinde Personen in der Schweiz und bildet das Fachpersonal aus.

Der Schweiz. Blinden- und Sehbehindertenverband und der Schweiz. Blindenbund sind Selbsthilfeorganisationen, das heisst, sie sind Zusammenschlüsse von Betroffenen. Ihr Hauptziel ist die Förderung des Kontakts und des Erfahrungsaustauschs unter den Sehbehinderten und die Interessenvertretung. Daneben führen sie auch zahlreiche professionelle Dienste mit einem vielseitigen Leistungsangebot.

Wann und von wem wurde die Blindenschrift erfunden?

Der Erfinder der Blindenschrift ist Louis Braille. Er wurde 1809 in Coupvray (Isle de France) geboren und verstarb 1852 in Paris. Im Alter von drei Jahren erblindete er an den Folgen einer Stichverletzung, die er sich im Atelier seines Vaters zugezogen hatte. Das System der Blindenschrift entwickelte er im Alter von 15 Jahren an der Blindenschule in Paris. Siehe auch www.braille.ch.

Wo können sehende Personen die Blindenschrift lernen?

Sehende Personen können die Blindenschrift mit den Augen lesen. Das mühsame Trainieren des Tastsinns in den Fingerkuppen entfällt. Deshalb können sie sich das Blindenschriftsystem gut im Selbststudium aneignen.
Wir empfehlen folgenden Lehrgang: Theiss-Klee, Heidi, Punktschrift für Anfänger, Deutsche Blindenstudienanstalt e.V. 1998, Marburg/Lahn, ISBN: 3-89642-003-8

Sind bei blinden Menschen die anderen Sinne besser entwickelt?

Blinde, stark sehbehinderte oder hörsehbehinderte Menschen brauchen die "andern" Sinne, um sich zu orientieren und möglichst viele Informationen einzuholen. Sie lernen ihre anderen Sinne gezielt einzusetzen, was zu einer sehr differenzierten Wahrnehmungsfähigkeit führen kann. Die Sinne sind von Grund auf nicht besser ausgebildet, jedoch besser trainiert.

Was ist schlimmer: blind sein oder gehörlos?

Es ist problematisch, diese beiden Sinnesbehinderungen gegeneinander auszuspielen. Bei beiden Behinderungen hängt es stark von der jeweiligen Person und ihrem Umfeld ab, wie die Einschränkungen im Laufe des Lebens entstanden sind und wie weit sie überwunden werden können. Generell sagt man, dass die Sehbehinderung stärker im funktionalen Bereich und die Hörbehinderung stärker im sozialen Bereich einengt.

Wie finden Blinde mit dem Langstock den richtigen Weg?

Der Blindenlangstock ist ein einfaches, jedoch sehr zweckmässiges Hilfsmittel. Er ist sozusagen der verlängerte Zeigefinger der blinden Person. Mit dem Langstock tastet die blinde Person den Weg mit systematischen Pendelbewegungen kontinuierlich ab und kann so Hindernisse, Unebenheiten, Stufen und Schwellen rechtzeitig erkennen. Durch das Aufschlagen am Boden sendet der Stock auch Informationen über die Bodenbeschaffenheit und via Raumklang und Echo auch Informationen über die Topographie der näheren Umgebung.

Den Weg muss die blinde Person natürlich selber kennen. Dabei helfen zahlreiche Merkpunkte und Elemente, die nicht bloss den taktilen Bereich beinhalten, sondern auch Düfte und Geräusche. Klicken Sie auf unsere Beratungsstellen, welche u.a. auch ein Mobilitätstraining anbieten.

Schauen blinde Personen auch Fernsehen?

Natürlich! Das Fernsehen ist auch bei vielen blinden und stark sehbehinderten Personen ein beliebtes Informations- und Unterhaltungsmedium. Bei Informations- und Dokumentationssendungen führt der gesprochene Anteil weitgehend zu einem vollwertigen Verständnis. Etwas schwieriger ist es bei Spielfilmen, doch aus dem Kontext heraus ist die Handlung in vielen Fällen auch ohne Bild zu verstehen. Als spezielle Dienstleistung für sehbehinderte Zuschauer/innen gibt es seit einiger Zeit den sogenannten Hörfilm, bei welchem auf dem 2. Stereokanal eine Bild- und Handlungsbeschreibung mit ausgestrahlt wird.

Was haben blinde Menschen von Kino und Theater?

Die Antwort lautet ähnlich wie beim Fernsehen. Nur kommt beim Kino- und Theaterbesuch noch das Erlebnis "Ausgehen" hinzu. Die spezielle Atmosphäre in einem Kino- oder Theatersaal wird von blinden Menschen ebenso genossen, wie von sehenden.

Warum gehen blinde Menschen auf Reisen? – Sie sehen doch nichts!
Auch wenn die unmittelbare Wahrnehmung der optischen Eindrücke nicht möglich ist, kann das Reisen für blinde Menschen sehr bereichernd sein. Die Begegnung mit andern Ländern und andern Kulturen basiert nicht bloss auf Bildern, sondern ebenso sehr auf Klängen, Düften, Speisen und vor allem Gesprächen.

Wie stellen sich geburtsblinde Menschen die Farben vor?

Die Vorstellungen von Farben sind natürlich nicht visueller Art. Viele blinde Menschen verbinden mit konkreten Farben bestimmte Vorstellungen von Gegenständen oder Gefühlsqualitäten. Auch geburtsblinde Menschen wissen natürlich, dass der Himmel blau, das Gras grün und der Schnee weiss ist. Einige verbinden mit rot die Assoziation "warm", mit braun den Duft von feuchter Erde oder mit weiss die Tastqualität "flauschig weich".

Wie träumen geburtsblinde Menschen?

Im Prinzip gleich wie sehende Menschen. Träume sind geträumte Lebenssequenzen mit teils realistischen, teils phantastischen Inhalten und den entsprechenden Gefühlsregungen. Die Wahrnehmungsqualitäten im Traum werden sich nicht wesentlich von denjenigen im realen Leben unterscheiden. Anders ist die Situation bei späterblindeten Menschen, die in ihren Träumen häufig noch sehen können.

Darf man gegenüber einer blinden Person von "sehen" reden?

"Sehen" hat im alltäglichen Sprachgebrauch eine viel weitere Bedeutung, als lediglich mit den Augen wahrzunehmen. Mit "sehen" ist auch "erkennen", "verstehen" und "begegnen" gemeint. Darum sagen wir blinden Menschen auch: "Ich habe gestern Peter gesehen" oder "Ich habe es gesehen" oder "Auf Wiedersehen!". Es ist also auf keinen Fall erforderlich, krampfhaft nach einem Ersatz für das Wort "sehen" zu suchen. Anders verhält es sich mit dem Hinweis "dort". Damit kann ein blinder Mensch in der Regel wirklich nichts anfangen.

Wie können blinde Menschen einen Computer bedienen?

Der Inhalt des Bildschirms wird entweder auf einer speziellen Blindenschriftzeile oder mittels Sprachausgabe zugänglich gemacht. Die Eingabe erfolgt über die Tastatur. Ein sogenanntes Bildschirmleseprogramm erlaubt es den blinden Personen, sich auf dem Bildschirm zu orientieren und die verschiedenen Anwendungsprogramme zu steuern. Um den Zugang zu den Internetseiten zu gewährleisten, müssen gewisse Regeln beim Webdesign beachtet sein. Für Personen mit eingeschränktem Sehvermögen reicht oft eine starke Vergrösserung des Bildschirminhalts.

Wie weiss ein Blindenführhund, ob die Ampel auf rot steht oder auf grün?

Er weiss es nicht, und das ist auch nicht nötig, denn es ist die blinde oder sehbehinderte Person, die dem Hund das Kommando gibt, wann er die Strasse überqueren soll. Deshalb fordern wir akustische Zusatzgeräte an Fussgängerampeln, damit die blinde Person feststellen kann, wann es grün wird.

Besteht für Taxis eine Beförderungspflicht von Führhunden?

Taxis sind konzessionierte Verkehrsmittel und unterstehen einer
Beförderungspflicht. Diese Pflicht gilt grundsätzlich auch für blinde
Menschen mit ihren Führhunden.

Wie viel kostet ein Blindenführhund?

Die Ausbildung und Betreuung eines Blindenführhundes kostet rund 60’000 Franken. Die Blindenführhunde werden von der Invalidenversicherung bei den Führhundeschulen gemietet und den blinden Personen kostenlos für den Führeinsatz abgegeben.

Wie kommunizieren blinde Personen mit ihrem Führhund?

Der ausgebildete Führhund kennt rund 30 Hörzeichen (Kommandos). Um Verwechslungen zu vermeiden und wegen des klaren Wortklangs sind die Befehle aus der Italienischen Sprache entnommen.

Weshalb haben nicht alle blinden Menschen einen Blindenführhund?

Die Antwort ist relativ einfach. Nicht alle Menschen mögen Hunde. Gerade ein Blindenfürhund erfordert jedoch ein hohes Mass an Zuwendung und Pflege, und die Ausbildung ist auch für die blinde Person sehr intensiv. In der Schweiz haben etwa 350 blinde, sehbehinderte und taubblinde Menschen einen Blindenführhund.

Wie verhalte ich mich gegenüber einem Blindenführhund?

Der Blindenführhund darf bei der Arbeit nicht abgelenkt werden. Vermeiden Sie deshalb alles, was seine Konzentration beeinträchtigen könnte. Bevor sie mit dem Hund Kontakt aufnehmen, fragen Sie die blinde Person um Erlaubnis.