Der SZB von 1903 bis 1950

1903

Im Mädchenblindenheim an der Asylstrasse in Zürich wird am 1. November der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen (SZB) gegründet. Zum ersten Präsidenten des SZB wurde der Entlebucher Arzt Dr. med. Laurenz Paly gewählt.

Es waren der Ostschweizerische Blindenfürsorgeverein (OBV) in St. Gallen und die Association pour le Bien des Aveugles (ABA) in Genf, die eine Dachorganisation wünschten, um die Interessen von blinden und sehbehinderten Menschen sowie der Sehbehindertenorganisationen zu vertreten und zu fördern.

Treibende Kraft war Victor Altherr, der erste Direktor des OBV. Er wurde zum ersten "Central-Sekretär" des SZB gewählt. Während drei Jahren betrieb er die "Zentralstelle des schweizerischen Blindenwesens" in seiner Privatwohnung im appenzellischen Trogen. Dort baute er auch das "Schweizerische Zentralarchiv für das Blindenwesen" auf. Aus diesem Archiv entwickelte sich später die SZB-Fachbibliothek, die heute über 2600 verschiedene Medien führt.

Zitat aus dem Jahresbericht: "Im ersten Jahr wurden bereits 955 Korrespondenzen geführt. Eine Hilfskraft musste eingestellt werden. Sie schrieb auf einer gebrauchten "Hammond"-Schreibmaschine, ein Geschenk an den SZB, die aber zuerst für Fr. 30.- repariert werden musste. Das Zentral-Archiv enthält bereits 605 Nummern (Medien)."

1905

120 Personen nehmen am 30. September und 1. Oktober an der 1. Generalversammlung des SZB in Lausanne teil.

1905 / 1906

Im Jahresbericht für die Jahre 1905/06 ist zu lesen: "An dieser Stelle möchten wir auch noch des Unfalles gedenken, der unserm allverehrten Präsidenten, Herr Dr. Paly, im Frühjahr im Entlebuch zugestossen ist. Beim Zahnziehen flog ihm ein Splitter des gezogenen Zahnes in das linke Auge und verursachte in demselben eine so heftige Entzündung, dass er sich zu längerer Behandlung nach Luzern begeben musste, da ernstliche Gefahr wegen gänzlicher Erblindung vorhanden war."

1907

Der Sitz des SZB wird von Trogen nach St. Gallen-Heiligkreuz in die Räume des OBV verlegt.

1923

Die gelbe Armbinde mit drei im Dreieck angeordneten schwarzen Punkten - die oberen beiden sind mit einem Kreuz markiert - wird als Verkehrsschutzzeichen für blinde Personen eingeführt. (Das offizielle Piktogramm von heute ist die blinde Person mit weissem Stock auf blauem Grund.)

1924

Im Jahresbericht wird erstmals die "Taubblindenfürsorge" erwähnt. Der blinde Ulrich Rothenberger übernimmt den Auftrag, die Taubblindenarbeit in der Schweiz aufzubauen. Im Vordergrund stehen das Teppichweben, das Korbflechten und das Erlernen der Blindenschrift und des Lorm-Alphabetes. In den folgenden Jahren wird der SZB die ambulante Beratung und Betreuung taubblinder und hörsehbehinderter Menschen aufbauen und zu einem umfassenden Leistungsangebot ausbauen.

1934

Der SZB bezieht eigene Räumlichkeiten im "Merkatorium" an der St. Leonhardstrasse im Zentrum von St. Gallen.

1938

Der weisse Stock, ein unentbehrliches Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Personen, wird als offizielles Verkehrsschutzzeichen in der Schweiz anerkann

1939

Unter dem Patronat des SZB beteiligen sich verschiedene Blindeninstitutionen zusammen mit der Pro Infirmis an der Landesausstellung in Zürich.

1940

Die ZEWO (Zentralstelle für Wohlfahrtsunternehmen) nimmt den SZB als Mitglied auf. Künftig darf er das anerkannte Gütesiegel für einen vertrauenswürdigen Umgang mit Spendengeldern führen.

1941

In Lausanne eröffnet der SZB am 1. Mai ein Zweigsekretariat, das "Office de langue française". Damit will er unter anderem die "Verbindung zwischen den west- und deutschschweizerischen Blindenorganisationen enger gestalten".