Der SZB von 2001 bis heute

2001

Der SZB konzentriert seine Dienstleistungen in der Westschweiz in einem neuen Kompetenzzentrum in Lausanne. Taubblindenberatung, Hilfsmittelberatung, Fort- und Weiterbildung, die Fachstelle für optische Hilfsmittel, Übersetzungsdienst und Öffentlichkeitsarbeit sind nun in den gleichen Räumen untergebracht.

Das erste Benutzerforum der Taubblindenberatung wird durchgeführt.

2002

In Lenzburg wird ein neues Beratungs- und Begegnungszentrum eröffnet. Die Taubblindenberatung ist mit der Soziokulturelle Animation (Atelier) und der Sozialberatung für die Region Aargau vertreten. Auch die Fachstelle für optische Hilfsmittel befindet sich neu in Lenzburg.

2003

Der SZB wird 100-jährig und hat sich zu einer effizienten und modernen Dach- und Dienstleistungsorganisation entwickelt. Zu seinen Leistungen gehören der Vertrieb und die Entwicklung blindentechnischer Hilfsmittel, die Beratung und Betreuung taubblinder und hörsehbehinderter Menschen, die Ausbildung des Fachpersonals im Sehbehindertenwesen, die Führung von Fachstellen für optische Hilfsmittel in allen Sprachregionen, die Entwicklung und Forschung im Bereich Low Vision, die Führung einer Fachbibliothek und einer Ludothek sowie permanente Öffentlichkeitsarbeit und Informationstätigkeit.

Anlässlich seines 100. Geburtstags organisiert der SZB den Fashion-Event "Touch and see" für blinde und sehende Menschen. Die beiden Modenschauen in Zürich und Lausanne werden zu einem grossen Erfolg.

Zum dritten Mal verleiht der SZB den Preis "Canne blanche". Er geht im Jubiläumsjahr an die Blindenskischule St.Moritz.

2004

Das neue Leitbild und die neuen Statuten des SZB, die eine deutlich schlankere und effizientere Organisation verankern, treten offiziell in Kraft.

Die Ressorts Taubblindenberatung, blindentechnische Hilfsmittel und optische Hilfsmittel werden in Lenzburg angesiedelt.

Das Ressort Fort- und Weiterbildung feiert sein 30-jähriges, das Ressort optische Hilfsmittel und Low Vision sein 20-jähriges Bestehen.

2005

In Lausanne wird das zweite Begegnungszentrum für taubblinde und hörsehbehinderte Menschen eröffnet.

Zum vierten Mal verleiht der SZB den Preis "Canne blanche". Er geht an die SBB für bauliche und organisatorische Massnahmen, die blinden und sehbehinderten, aber auch taubblinden und hörsehbehinderten Menschen das Reisen erleichtern.

In Genf findet die Open-Air-Fotoausstellung "La terre vue du ciel" von Yann Arthus-Bertrand statt. Der SZB organisiert den von Alain Mickli realisierten taktilen Teil der Ausstellung: Durch tastbare Reliefs und Erläuterungen in Blindenschrift sind 20 Bilder auch für taubblinde, blinde, hörsehbehinderte und sehbehinderte Menschen erlebbar.

2006

Die ersten Kommunikationsassistentinnen und -assistenten für taubblinde Menschen werden in Lenzburg diplomiert. Taubblinde Menschen können somit geschulte Kommunikations-Assistent/-innen für Einsätze engagieren. Der SZB organisiert und führt den Kurs zusammen mit "Sonos", der Dachorganisation im Hörbehindertenwesen durch. Fachlich unterstützt werden sie dabei von der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Die weltbekannte Mimengruppe "Mummenschanz" gibt im Rahmen ihrer Schweizer Tournee "3x11" (33 Jahre Mummenschanz) drei Benefizvorstellungen in Mézières, Baden und Lugano. Sie unterstützt damit taubblinde Menschen in der Schweiz. Alle drei Vorstellungen sind restlos ausverkauft.

Das Ressort Fort- und Weiterbildung des SZB erhält die eduQua-Zertifizierung. Das Zertifikat zeigt, dass die Fort- und Weiterbildungsangebote des SZB für das Fachpersonal im Sehbehindertenwesen den Kriterien einer professionellen Weiterbildung entsprechen. Das Qualitätslabel für Weiterbildungsinstitutionen in der Schweiz zeichnet gute Weiterbildungsinstitutionen aus.

2007

20 Jahre SZB-Ludothek: Die Ludothek für blinde, taubblinde und sehbehinderte Menschen des SZB, die sich in Zollikofen befindet, wurde 1987 als erste derartige Einrichtung gegründet. Ihr 20-jähriges Bestehen wird mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Blinde, sehbehinderte und taubblinde Kinder und Erwachsene finden in der Ludothek 380 tastbare Spiele und über 100 tastbare Bilderbücher. Die Spiele sind so adaptiert, dass sie auch von sehenden zusammen mit nicht sehenden Personen gespielt, bzw. betrachtet werden können.

10 Jahre Usher-Infostelle des SZB: Seit 1997 führt der SZB gemeinsam mit dem Schweizerischen Gehörlosenbund SGB-FSS eine spezialisierte Usher-Informationsstelle. Das Usher-Syndrom ist eine erblich bedingte Kombination einer fortschreitenden Netzhautdegeneration und einer früh einsetzenden Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit. Im Laufe ihres Lebens werden alle Usher-Betroffene taubblind. Die acht spezialisierten SZB-Beratungsstellen für hörsehbehinderte Menschen sind zuständig für die Beratung und Rehabilitation der durch das Usher-Syndrom betroffenen Menschen.

Der Stiftungsrat der ZEWO rezertifiziert den Schweizerischen Zentralverein für das Blindenwesen. Damit hat der SZB das Recht, das ZEWO-Gütesiegel für weitere fünf Jahre bis zum Jahr 2012 zu führen. Die ZEWO ist die Schweizerische Zertifizierungsstelle für gemeinnützige und Spenden sammelnde Organisationen. Das Gütesiegel zeichnet gemeinnützige Organisationen für den gewissenhaften Umgang mit den ihnen anvertrauten Geldern aus.

Rund 100 Fachleute, die in der Deutsch- und Westschweiz Leistungen in der ambulanten Rehabilitation und Sozialarbeit (nach Art. 74 IVG) erbringen, treffen sich in Biel und Lausanne zu zwei Tagungen. Mit der Organisation der Tagung stellt der SZB erstmals eine Plattform für einen fach- und stellenübergreifenden Fachaustausch zur Verfügung. Die Tagungen haben drei Ziele: Die Gewährleistung des Fachaustauschs und der Zukunftsplanung der SZB-Leistungen, die Förderung der Kooperation unter den Berufssparten, regionalen Stellen und den Partnern im erweiterten Umfeld sowie die Verbesserung der Planung des Fort- und Weiterbildungsangebots.

Der SZB überdenkt grundsätzlich die Preispolitik seiner blindentechnischen Hilfsmittel. Die Maxime ist künftig, dass die Hilfsmittelpreise für Betroffene nicht teurer ausfallen dürfen, als ein vergleichbares Produkt für Sehende auf dem herkömmlichen Markt. Die Preise werde zusammen mit einer extra dafür einberufenen ad hoc Kommission mit Vertretern aus den Selbsthilfeverbänden und Vertriebstellen entsprechend dieser Maxime angepasst. Die neuen Hilfsmittelpreise treten ab dem 1. Januar 2008 in Kraft.

2008

Vorstand und Kader des SZB erarbeiten strategische Massnahmen, die in den Jahren 2009 – 2011 umgesetzt werden sollen. Der Massnahmenkatalog dient als Leitplanke für die Arbeit des SZB während der nächsten drei Jahre.

Die Auszeichnung „Prix de la Canne blanche 2008“ wird als Gesamtwürdigung ihres Schaffens der Stiftung „Zugang für alle“ verliehen, die sich für eine hindernisfreie Kommunikations- und Informationstechnologie für blinde und taubblinde Menschen einsetzt.

Resultat eines Studienprojektes mit dem Titel: Mehrfachbehindert-sehgeschädigte Menschen in der Schweiz“, das der SZB zusammen mit Mitgliedorganisationen durchgeführt hat, ist die Publikation „Wenn anders sehen zur Herausforderung wird“. Sie beschreibt, was Betroffene benötigen, damit eine Sehschädigung ihre Lebensqualität und die ihnen zustehende Förderung als geistig behinderte Menschen nicht behindert. Die Studie zeigt, dass etwa 4000 Menschen, die in schweizerischen Institutionen für mehrfachbehinderte Menschen betreut werden, sehgeschädigt sind.

Der SZB bildet nun auch Kommunikationsassistentinnen und –assistenten für taubblinde Personen in der Westschweiz aus. Neun Personen überreicht er ein Zertifikat . In der Deutschschweiz haben im ersten Jahr seit bestehen bereits 47 Personen 2600 Stunden Assistenz in Anspruch genommen.

Seit 40 Jahren besteht die Soziokulturelle Animation der Taubblinden- und Hörsehbehinderten-Beratung. 2008 nimmt bereits jede zweite beim SZb eingetragene taubblinde Person an den angebotenen Bildungs- und Freizeitveranstaltungen teil.

Am „Tag des weissen Stockes“ plädiert der SZB zusammen mit SBV und SBb für gegenseitige Rücksichtnahme auf öffentlichen Plätzen und Trottoirs. Dazu wird ein amüsantes Online-Geschicklichkeitsspiel entwickelt, das unter www.weisserstock.ch abgerufen und gespielt werden kann.

Erstmals führt der SZB einen Weiterbildungskurs für spezialisierte Orthoptistinnen in Low Vision in der Deutschschweiz mit Erfolg durch.

2009

Die 2008 erarbeiteten strategischen Massnahmen werden von der Delegiertenversammlung abgesegnet. Die Umsetzung 2009 – 2011 beginnt.

Im Zuge der Neuorganisation des Fundraisings wird auch die Bildmarke neu erarbeitet. Der SZB erhält ein neues Logo und Erscheinungsbild, das ab Ende 2009 umgesetzt wird.

Mit einem auffallenden „roten Teppich“ mit auf geklebten Leitlinien macht der SZB im Rahmen des „Tag des weissen Stockes“ zusammen mit Mitgliedorganisationen darauf aufmerksam, dass die weissen Leitlinien respektiert und immer frei gehalten werden müssen. Sie dienen als wichtige Orientierungshilfe für blinde und taubblinde Menschen im öffentlichen Raum.

Erstmals führt der SZB einen Weiterbildungskurs für spezialisierte Orthoptistinnen in Low Vision in der Westschweiz durch.

Im Rahmen der Mitarbeitendenförderung erarbeiten das Sekretariatspersonal Verhaltensregeln im Kontakt mit den Kundinnen und Kunden.

Die auffallende Plakatkampagne mit prominenten Schweizerinnen und Schweizern, die sich für taubblinde Menschen einsetzen, wird zum fünften und letzten Mal durchgeführt. Bernhard Russi, Emil Steinberger, Monika Schärer und in der Westschweiz Jean-Marc Richard bekunden im 2009 ihre Solidarität mit den Betroffenen.

2010

Mit einer neukonzipierten Sensibilisierungskampagne „Wir Blinden helfen gerne. Bitte helfen Sie uns auch.“ möchte der SZB eine Umkehr des gängigen Bildes, das gemeinhin von Personen mit Einschränkungen und Behinderten vorherrscht, erreichen: Statt wie so häufig die Defizite zu betonen, mit denen sehbehinderte, blinde und taubblinde Menschen im Alltag zu kämpfen haben, richtet die Kampagne einen gezielten Fokus auf die besonderen Fähigkeiten, mit denen Betroffene auch ihre Mitmenschen unterstützen. Ein TV-Spot sowie Gratis-Füllerinserate in den Printmedien begleiten diese Kampagne.

Zusammen mit dem SBV und dem SBb organisierte der SZB wieder einen Aktionstag anlässlich des „Tags des weissen Stocks“ am 15. Oktober. Mit dem Motto „Weisser Stock = Vortritt“ macht man auf die Vortrittsberechtigung blinder und sehbehinderter Menschen im Strassenverkehr aufmerksam. Dazu werden an 15 Orten in der ganzen Schweiz Tests zur Anhaltedisziplin der Fahrzeuglenker durchgeführt.

Taubblindheit ist ein Randthema, und die Lebensumstände Betroffener sind kaum erforscht, zumal eine vom SZB in Auftrag gegebene Studie aufzeigte, dass die Zahl taubblinder und hörsehbehinderter Menschen in der Schweiz um ein Vielfaches höher ist, als bis anhin angenommen. Schätzungen gehen von bis zu 200'000 betroffenen Personen aus. Diese Zahlen lassen die Verantwortung des SZB für die Unterstützung hörsehbehinderter und taubblinder Menschen in einem ganz neuen Licht erscheinen. Auf diesem Hintergrund erteilt der SZB der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich einen Forschungsauftrag und erhält dazu die finanzielle Unterstützung des Nationalfonds erhalten. Ergebnis ist die Studie „Lebenslagen hörsehbehinderter und taubblinder Menschen in der Schweiz“. Zusätzlich werden die Ergebnisse zusammen mit aussagekräftigen Zitaten in einer Beilage mit dem Titel „Taubblindheit: Den Tatsachen ins Auge gesehen“ veröffentlicht.

Aus der intensiven Auseinandersetzung mit den Lebenslagen taubblinder und hörsehbehinderter Menschen entsteht auch der neue Film „Deafblind Time – Wenn Sehen und Hören schwächer werden“ mit gleichnamiger Informationsbroschüre. Beide Medien beschäftigen sich nicht nur mit taubblinden Menschen, sondern thematisieren auch die Taubblindheit selbst.

Als wichtiges Instrument in der Abklärungsarbeit von Sehbehinderungen entwickelt der SZB im Jahr 2010 einen neuen Sehtest, der sich an ein Konzept von Ian Bailey anlehnt. Der „Basic Vision Test“ dient der Hell-Dunkel-Unterscheidung, die oft bei Personen mit sehr niedrigem Sehvermögen noch vorhanden ist.

2011

Auf Anfang Jahr trennt sich der SZB von der Ludothek. Mit ihrem Angebot an rund 350 tastbaren Spielen und Bilderbüchern war sie die erste ihrer Art in der Schweiz. Nun wechselt sie in die Verantwortung der Stiftung für blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche, Zollikofen, bei der sie schon lange integriert war. Der SZB unterstützt die Ludothek weiterhin finanziell.

Die SZB-Lehrgänge für Spezialistinnen und Spezialisten für die Rehabilitation von sehbehinderten und blinden Menschen werden vom BBT anerkannt. Vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie BBT erhält der SZB die unterschriebene Prüfungsordnung und damit die eidgenössische Anerkennung der Abschlussprüfungen zu seinen Lehrgängen als Höhere Fachprüfung. Das heisst für die Absolventinnen der SZB-Lehrgänge Low Vision, Orientierung und Mobilität sowie Lebenspraktische Fähigkeiten, dass sie künftig nach erfolgreich abgeschlossener Schlussprüfung den Titel „Spezialistin / Spezialist für die Rehabilitation von sehbehinderten und blinden Menschen mit eidgenössischem Diplom“ tragen können.

Das Vorstandsmitglied des SZB, Manuele Bertoli, wird im Kanton Tessin zum Regierungsrat gewählt. Es ist das erste Mal in der Schweiz, dass eine blinde Person in ein solch hohes Regierungsamt gewählt wird.

Am 23. September verleiht der SZB zum fünften Mal die Auszeichnung "Canne blanche". Der nationale Preis im Sehbehindertenwesen zeichnet Projekte aus, die blinden, sehbehinderten und taubblinden Menschen in der Schweiz zugute kommen. Aus neun nominierten Vorschlägen wählt die Jury das Projekt "Berühren Sehen" (im Original: "toucher voir") des Kunstmuseums Wallis in Sitten. Basels Regierungsprädient Dr. Guy Morin überreicht den "Oskar" im Schweizer Sehbehindertenwesen an das Ausstellungskonzept, das Kunst ohne Schwellen- und Berührungsängste blinden und sehbehinderten Menschen nahebringt.

Einen besonderen Anlass organisiert der SZB an seinem Standort in Lausanne: Bereits seit zehn Jahren arbeitet der SZB in den Büros am Chemin des Trois-Rois mit dem Service Romand d’Informatique pour Handicapés dela Vue (SRIHV), der zugleich sein 20jähriges Bestehen feierte, zusammen. Die Jubiläumsfeier und der anschliessende „Tag der offenen Tür“ steht unter dem Thema „Informatik für sehbehinderte Menschen – berufliche Integration und Kommunikation“.

Zum ersten Mal organisiert das Ressort Öffentlichkeit und Mittelbeschaffung einen Anlass für langjährige Spenderinnen und Spender des SZB. Eine Führung durch den Botanischen Garten in St. Gallen, Zürich und in Lausanne wird von je einer blinden Person begleitet, die ihre Eindrücke von Pflanzen und Düften schildert. Alle drei Anlässe stossen auf positive Resonanz.

Die Aktion „Tag des weissen Stocks“ wird zum Thema „Weisser Stock – und doch sehend? Sehbehinderung hat viele Facetten“ durchgeführt. Die Kampagne sensibilisiert für die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen, die – trotz eingeschränkter Sehfähigkeit – wie blinde Personen ebenfalls einen weissen Stock verwenden und deshalb nicht als Simulanten abgestempelt werden dürfen.

2012

Ein lang gehegter Wunsch des SZB geht in Erfüllung: Er eröffnet die erste Forschungsstelle im Sehbehindertenwesen. Damit will der SZB die Forschung  zu allen wichtigen Fragen der Sehbehinderung und Blindheit und den daraus resultierenden Folgen gezielter vorantreiben. Die Aufgabe der Forschungsstelle ist es, im Verbund mit den SZB-Mitgliedorganisationen Wissenslücken aufzudecken, die bestehende Sekundärliteratur zu erschliessen, daraus Forschungsaufträge zu formulieren, diese an wissenschaftliche Institute zu vergeben und die laufende Orientierung und Kontrolle der Forschungsaufträge sicher zu stellen.